Wild Leaves
for Robert Mapplethorpe’s passing day
*November 4, 1946 – †March 9, 1989
Foto: Patti Smith Archive
Am 9. März erinnert Patti an Robert Mapplethorpe – Freund, Weggefährten, frühen Zeugen ihres künstlerischen Werdens. Sein Tod 1989 markierte einen Einschnitt, der weit über biografische Trauer hinausging: Verlust wurde zu Arbeit, Erinnerung zu Form.
Aus dieser Zeit entstand The Coral Sea, ein Zyklus aus Prosagedichten, geschrieben, als Worte das Weinen ersetzten. Darin nimmt Reflecting Robert eine besondere Stellung ein: kein Nachruf, sondern ein innerer Spiegel – ein Versuch, Präsenz zu bewahren, ohne sie festzuhalten. Robert erscheint darin als Bewegung, als Kraft, als unruhige Schönheit, die sich nicht auflöst.
Der Song Wild Leaves knüpft an diese Haltung an. Ursprünglich als musikalische Reaktion auf Roberts Tod geschrieben, erschien er erstmals 1988 auf dem Album Dream of Life und gehört zu jenen Stücken, in denen Trauer nicht dramatisiert, sondern still getragen wird. Mit seinen melancholischen, zurückgenommenen Klängen reflektiert der Song Verlust ebenso wie Fortgang. Die fallenden Blätter stehen für das Unaufhaltsame – und zugleich für das, was bleibt: Erinnerung als Teil eines natürlichen Kreislaufs.
Wild Leaves spricht von Loslassen ohne Bruch, von Nähe ohne Besitz. Trauer wird hier nicht erklärt, sondern zugelassen; sie verliert ihr Gewicht nicht, aber ihre Starre, und verwandelt sich in Bewegung.
Im Dezember 2017 verbindet sich beides in einer besonderen Aufführung: In der Kathedrale von Caserta liest Patti Reflecting Robert und spielt anschließend Wild Leaves, begleitet von ihrer Tochter Jesse am Klavier. Wort und Musik stehen nebeneinander, wie zwei Atemzüge derselben Erinnerung.
Wild Leaves berührt den Kern: das Loslassen ohne Vergessen, die Nähe jenseits der Abwesenheit. Robert Mapplethorpe ist darin nicht Thema – sondern Gegenwart.
Album Cover: Dream of Life
Buch Cover: The Coral Sea
Live-Performance Reflecting Robert & Wild Leaves, Caserta, Italien, Dezember 2017
Wild Leaves
Wild leaves are falling
Falling to the ground
Every leaf, a moment
A light upon the crown
That we’ll all be wearing
In a time unbound
And wild leaves are falling
Falling to the ground
Every word that’s spoken
Every word decreed
Every spell that’s broken
Every golden deed
All the parts we’re playing
Binding as the reed
And wild leaves are falling
Wild, wild leaves
As the campfire’s burning
As the fire ignites
All the moments turning
In the stormy bright
Well enough the churning
When enough believe
The coming and the going
Wild, wild leaves
Wild, wild leaves
Wild, wild leaves
